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Kapitel 18: Weihnachtsmanntour mit den Chaoten

Die Weihnachtsmanntour in Jatznick war wieder einmal ein Höhepunkt des Jahres, und wie immer schwang ein Hauch von Chaos in der kalten, klaren Luft mit. Der Weihnachtsmann, traditionell gekleidet in rot-weißer Montur und mit einem Bart, der einem Märchen entsprungen schien, hatte seinen Platz auf der hinteren Bank der Mannschaftskabine des TLF gefunden. Neben ihm saßen seine inoffiziellen Assistenten: Nick und Jatz, diesmal verkleidet als Weihnachtselfen. Nick trug eine grün-rote Kombi, deren Zipfelmütze bei jedem Schritt energisch wippte, während Jatz, in einer roten Weste, die einen Tick zu eng war, eher wie ein Elf nach einem besonders üppigen Festessen aussah.

   Bis zum alten Sportplatz in Jatznick lief alles wie am Schnürchen. Der Weihnachtsmann wurde an jeder Station mit strahlenden Kinderaugen und selbstbewusst vorgetragenen Gedichten empfangen. Nick und Jatz waren zwar hauptsächlich damit beschäftigt, sich gegenseitig bei kleinen Streichen zu übertrumpfen – Nick hatte Jatz' Zipfelmütze heimlich an einem Baumast befestigt, was zu viel Gelächter führte –, doch alles verlief in geordneten Bahnen. Bis zu diesem Moment.

   Gerade hatte der Weihnachtsmann die letzten Geschenke am alten Sportplatz verteilt, als Jatz plötzlich einfiel: „Nick, sag mal, wo ist der Sack für die Fritz-Nagel-Siedlung?“ Nick erstarrte mitten im Versuch, einen Lebkuchen in die Tasche seiner Elfenschürze zu schmuggeln. „Was meinst du mit ‚wo ist der Sack‘? Der ist doch hinten im Wagen!“ Beide stürzten zum TLF, öffneten hektisch die Türen – doch der Sack war nirgends zu finden.

„Das darf doch nicht wahr sein!“ flüsterte Jatz panisch. „Oh Mann, wenn der Weihnachtsmann das erfährt…“ Genau in diesem Moment öffnete sich die Kabinentür, und der Weihnachtsmann warf ihnen einen strengen Blick zu. „Was habt ihr zwei wieder angestellt?“

   „Nichts, gar nichts!“ beeilte sich Nick zu sagen. „Wir haben nur... ähm... einen kleinen logistischen Fehler bemerkt.“ Der Weihnachtsmann seufzte tief. „Findet diesen Sack. Sofort. Und wagt es nicht, ohne ihn zurückzukommen.“

 

Nick und Jatz sprangen ins Fahrzeug und rasten los. „Vielleicht ist er bei Familie Leu!“ rief Nick, während Jatz mit einer improvisierten Checkliste die möglichen Stationen durchging. „Das wäre logisch. Wir haben dort kurz angehalten, und ich hab den Sack abgestellt, um – äh – nach dem Kuchen zu schauen.“

   Die Fahrt zu Familie Leu war eine Mischung aus wackeligen Bremsmanövern, hitzigen Diskussionen und waghalsigen Überholmanövern, die Jatz’ Zipfelmütze beinahe aus dem Fenster wehten. Doch als sie schließlich ankamen, wartete eine kleine Erlösung auf sie: Der Sack stand tatsächlich am Gartentor, als hätte er die ganze Zeit nur auf ihre Rückkehr gewartet.

„Ihr habt aber ein Glück!“ rief Frau Leu lachend aus der Tür. „Ein bisschen zerstreut heute, was? Hier, nehmt noch ein paar Kekse mit, das beruhigt die Nerven.“ Mit dem Sack und einem Keks auf jeder Hand machten sich die beiden schnell auf den Rückweg.

 

Als sie wieder am alten Sportplatz eintrafen, war die Stimmung gespannt. Der Weihnachtsmann sah die beiden Elfengestalten aus dem Wagen steigen, den Sack zwischen sich wie eine erbeutete Krone haltend. „Wir haben ihn!“ rief Nick triumphierend, während Jatz zur Sicherheit noch eine Entschuldigung hinterherschob: „Kleine Panne, Chef, aber alles wieder im Griff!“

   Die Kinder in der Fritz-Nagel-Siedlung bekamen ihre Geschenke, und am Ende der Tour saß die Mannschaft wieder im Gerätehaus, erschöpft, aber zufrieden. Der Weihnachtsmann blickte über die Runde, wobei sein Blick auf Nick und Jatz ruhte. „Ich sag’s euch, ohne euch wäre es hier viel ruhiger. Aber ganz ehrlich – es wäre auch viel langweiliger.“

 

Nick grinste breit und prostete Jatz mit einem Becher Glühwein zu. „Nächstes Jahr machen wir’s perfekt.“ Doch jeder im Raum wusste, dass Perfektion nicht das Ziel war – nicht, wenn Nick und Jatz ihre Finger im Spiel hatten.

 

Maik L. Jatzbach

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Veröffentlichung

Di, 24. Dezember 2024

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