Feuerwehr

 
Bannerbild | zur StartseiteBannerbild | zur StartseiteBannerbild | zur StartseiteBannerbild | zur StartseiteBannerbild | zur StartseiteBannerbild | zur Startseite
  • Teilen auf Facebook
  • Instagram
  • Teilen auf X
  • Link zur Seite versenden
  • Ansicht zum Drucken öffnen
 

Kapitel 21: Der kleine Esel

Am Morgen des ersten Mais war Jatznick erfüllt vom Duft frischer Brötchen, Schmieröl und Abenteuerlust. Ein leiser Dunst lag noch über der Straße der Einheit, als sich am Gerätehaus ein Tross junger Heldinnen und Helden formierte – bereit für das, was kommen mochte: das große Seifenkistenrennen von Pasewalk.

 

„Verpackt ist alles, Seilzug gesichert, Helm von Sporti geputzt – wir wären dann so weit,“ meldete Eule mit militärischer Präzision. „Tino, ist der Esel festgezurrt?“ fragte Jatz, die eine Liste in der Hand hielt, auf der ungefähr alles stand – außer das, was man wirklich brauchte. „So fest wie dein Haar am Morgen – also mit Mühe und Not,“ grinste Tino und klopfte auf den Anhänger, auf dem der „kleine Esel“, die glorreiche Seifenkiste der Jatznicker Jugendfeuerwehr, stand wie ein Denkmal aus Sperrholz und Drahtseil.

 

Nick studierte indes die Streckenkarte von Pasewalk, als ob es sich um einen geheimen Schatzplan handelte. „Wenn der Wind aus Südost kommt und wir in der Kurve den Impuls erhalten... dann könnten wir theoretisch eine halbe Sekunde gewinnen.“ „Oder in der Zuckerwattenbude landen,“ murmelte Jatz.

 

In Pasewalk angekommen, tobte das Leben: Musik, Rummel, der Geruch von Grillgut und gespannte Gesichter überall. Doch Team Jatznick ließ sich nicht beirren. Während Sporti, Theo und Judith sich nervös ihre Helme überzogen, bereitete die Boxencrew – Flori, Till, Lotta, Frida und Louis – den kleinen Esel auf seinen Einsatz vor. Mit Luftpumpe, Taktgefühl und einem Ersatzrad aus einer alten Schubkarre wurde das Gefährt geprüft. „Denkt dran,“ mahnte Eule, „gleichmäßige Zeiten sind alles. Nicht der Schnellste gewinnt, sondern der Konsequenteste!“ „Dann ist Nick raus,“ flüsterte Tino, „der ist nicht mal beim Frühstück konstant.“

 

Der erste Lauf verlief nahezu reibungslos. Judith startete mit der Entschlossenheit einer Feuerwehrfrau beim Probealarm, Theo fuhr eine präzise Linie, und Sporti... nun, Sporti fuhr mit so viel Leidenschaft, dass selbst das Publikum einen Schritt zurücktrat.

 

Zwischen den Läufen lockte der Rummel. Tino beobachtete skeptisch, wie Jatz mit drei Zuckerwattespießen zurückkam. „Du willst doch nicht etwa jetzt noch essen?“ „Ich stärke mich mental.“ „Du klebst schon am Hemd, wie willst du da noch anschieben?“ „Ich bin eben mit vollem Körpereinsatz dabei.“

 

Nach dem deftigen Mittag – wahlweise Gulaschkanone oder Bratwurstparade – folgte der zweite Lauf. Jetzt galt es: gleiche Zeit wie im ersten Durchgang. Der kleine Esel rollte los – begleitet vom Jubel der Jatznicker Supporter und einem leichten Quietschen hinten links. Die Spannung bei der Siegerehrung war mit bloßen Händen greifbar. Platz 15 von 23 – mit exakt einer Sekunde Differenz zwischen beiden Läufen! Jubel brandete auf. „Eine Sekunde? Das ist weniger als die Verzögerung zwischen deiner Idee und ihrer Umsetzung,“ meinte Nick. „Dann bin ich eben ein taktischer Denker,“ konterte Jatz.

 

Auf der Rückfahrt im T5 war es ruhiger. Müdigkeit, Zufriedenheit und eine kleine Prise Stolz hingen in der Luft. Eule schaute in den Rückspiegel. „Nächstes Jahr bauen wir den kleinen Esel stromlinienförmiger.“ „Oder wir lassen Tino anschieben,“ grinste Jatz. „Ich hab auch die meiste Geduld. Noch...“ brummte Tino.

 

Und so kehrten sie heim – nicht als Sieger der Geschwindigkeit, aber als Meister des Teamgeistes und der guten Laune. Und irgendwo in den Tiefen des Gerätehauses wartete der kleine Esel bereits auf sein nächstes Abenteuer – wahrscheinlich mit eingebauter Hupe.

 

 

Maik L. Jatzbach

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Do, 01. Mai 2025

Weitere Meldungen

Mehr Meldungen finden Sie [hier] im Archiv.