Kapitel 22: Minihelden in Pasewalk
Am frühen Samstagmorgen, der Himmel über Jatznick war noch vom Morgendunst umhüllt, herrschte am Feuerwehrgerätehaus bereits rege Betriebsamkeit. Es war der 17. Mai 2025, und für die jüngsten Mitglieder der Jugendfeuerwehr Jatznick sollte es ein ganz besonderer Tag werden: Der Kindereventtag in Pasewalk stand bevor.
„Die Westen sind gepackt, Erste-Hilfe-Koffer drin, und die Sonnencreme nicht vergessen,“ sagte Eule, die mit prüfendem Blick die Ausrüstung der Kleinen kontrollierte. „Ich hab für alle eine Trinkflasche eingepackt,“ ergänzte Lotta, während sie Frida half, ihren Helm richtig aufzusetzen. „Man weiß ja nie, wie lang so ein Tag wird.“ Jatz trat hinzu, in der Hand eine große Tasche. „Ich hab noch ein paar Snacks eingepackt – nur zur Sicherheit.“ Eule hob eine Augenbraue. „Jatz, das sind ja mindestens 30 Tüten Gummibärchen und 12 Butterkekspackungen.“ „Schnelle Energiezufuhr in Einsatzlagen. Theorie aus dem letzten Dienstabend von Marcel,“ meinte Jatz grinsend.
Ingo überprüfte die Teilnehmerliste. „Gut, wir haben alle an Bord. Kinder zwischen sechs und zehn – das passt. Und ihr zwei“, er warf Nick und Jatz einen Seitenblick zu, „seid heute nur Begleitung, keine Experimente.“ „Verstanden,“ sagte Nick und klopfte auf sein Notizbuch. „Ich dokumentiere bloß.“
Pünktlich um 10 Uhr begann das Event in Pasewalk. Die Kinder starteten bei Station 5 – ein Tunnelspiel, bei dem ein Ball durch einen langen Stoffschlauch manövriert werden musste. Die Kinder arbeiteten konzentriert, feuerten sich gegenseitig an. In einer Minute und acht Sekunden war der Ball durch. „Super gemacht!“, lobte Lotta. „Ihr habt toll zusammengearbeitet.“ „Beeindruckend,“ murmelte Nick, der die Zeit gestoppt hatte. „Ich hätte gedacht, das dauert länger.“ „Mit Motivation geht alles schneller,“ meinte Jette lächelnd.
An der nächsten Station warf das Team kleine Beutel in Ringe. „Winkel, Schwung und Zielgenauigkeit – wie beim Werfen eines Leinenbeutels beim Löschangriff,“ erklärte Eule, die die Parallelen zum Feuerwehralltag sah. Nick nickte. „Es ist faszinierend, wie früh motorische Koordination und räumliches Denken gefördert werden.“ „Und sie haben Spaß dabei,“ ergänzte Ingo. „Das ist das Wichtigste.“
Bei Station 3 mussten alle Kinder gleichzeitig durch einen Reifen steigen, ohne sich loszulassen. Die Kleinen kicherten, stolperten, halfen einander – und meisterten die Aufgabe. Auch wenn Frida kurz stecken blieb und Till rückwärts durch den Ring schlüpfte. „Das war knifflig,“ keuchte Louis, „aber wir haben's geschafft!“ „Genau so funktioniert Teamarbeit,“ lobte Jette.
Station 4 war besonders anspruchsvoll: Mit Hilfe von Seilen sollte ein Turm aus Holzklötzen gestapelt werden. Dann folgte ein kreativer Teil – eine Statue aus einem Verteiler und Strahlrohren. „Das erinnert mich an die alten Kuppelübungen auf dem Acker,“ meinte Ingo. „Sie haben echt ein Händchen fürs Gleichgewicht,“ staunte Eule, als ein fast perfekter Turm entstand.
Beim Kegelwerfen mit Schläuchen zeigten die Kinder Treffsicherheit. Nick notierte: Kraftdosierung und Zielgenauigkeit überraschend präzise. „Ich glaube, wir müssen demnächst neue Wettbewerbe für die Großen einführen,“ lachte Jatz. „Die Kleinen sind uns dicht auf den Fersen.“
Bei der Tic-Tac-Toe-Station war Kombinationsgabe gefragt. Mit Erste-Hilfe-Koffern und Handscheinwerfern spielten sie das altbekannte Spiel, aber diesmal mit Feuerwehr-Flair. „Das ist gar nicht so einfach,“ sagte Till. „Aber ihr habt gut überlegt. So entsteht Strategie,“ lobte Eule.
Das Memo-Spiel erforderte Konzentration, die die Kinder mit Bravour aufbrachten. Und an der letzten Station, bei der ein Ball durch einen Schlauch bugsiert werden musste, war wieder Fingerspitzengefühl gefragt – und ein wenig Geduld.
Am Ende des Tages, nach Spiel, Spaß und viel Bewegung, sammelten sich die Gruppen auf dem Platz. „Ich fand das Kegelwerfen am besten,“ meinte Flori stolz.
„Und ich das Memo-Spiel. Da war ich richtig gut!“ sagte Judith. Sogar der Landrat ließ sich blicken, was für die Kinder ein echter Höhepunkt war. „Er hat uns wirklich die Hand gegeben,“ flüsterte Theo ehrfürchtig. „Und jetzt wissen wir, wie ein echter Politiker aussieht,“ kicherte Lotta.
Eule, Ingo, Jette und Lotta standen beisammen, zufrieden und sichtlich stolz auf die Kinder. „Das war ein rundum gelungener Tag,“ sagte Eule. „Und wir haben keinen verloren,“ fügte Ingo augenzwinkernd hinzu. Nick notierte: Großer Tag, kleine Helden. Viel gelernt, viel gelacht – und keiner ging bisher verloren. Jatz nickte zustimmend. „Beim nächsten Mal muss ich aber mehr Kekse mitbringen.“
Maik L. Jatzbach
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