Kapitel 23: Pixel, Pinsel, Panik – Das neue Wappen der FF Blumenhagen
Es war ein gewöhnlicher Dienstagabend im Feuerwehrgerätehaus von Jatznick. Draußen plätscherte der Regen auf die Pflastersteine, drinnen summten die Heizlüfter, und zwischen Kaffeetassen, USB-Sticks und einem mysteriösen Handzeichen-Entwurf saßen Nick und Jatz – bewaffnet mit Laptops, Grafiktablett und einem leicht überforderten Drucker.
„Christian hat geschrieben,“ murmelte Jatz, während sie versuchte, mit dem Touchpad ein Fenster zu verschieben, das sich beharrlich nicht verschieben ließ. „Er braucht unser technisches Genie.“ „Er braucht, dass wir ein Wappen digitalisieren,“ korrigierte Nick, der gerade versuchte, den Illustrator zu öffnen, während sein PC gleichzeitig ein Update installieren wollte. „Handgemalt. Viele Details. Viele Linien.“
Das Wappen der Freiwilligen Feuerwehr Blumenhagen lag eingescannt vor ihnen – kunstvoll, liebevoll, etwas schief, in blau und weiß, einem Helm, einer Axt, einem Strahlrohr und etwas Text. „Ich fang mit dem Helm an,“ sagte Jatz und öffnete ihr Grafikprogramm. „Ich fang mit dem Kaffee an,“ sagte Nick und ließ das Grafiktablett auf den Tisch fallen.
Nach zwei Stunden Arbeit und etwa 17 Schichten im Grafikprogramm hatte Jatz den Helm vektorisiert, die Texte nachgezeichnet und das Wappen vorbereitet. „Was machst du?“ fragte Jatz, als sie sah, dass Nick nicht mehr arbeitete, sondern wild tippte. „Ich frage ChatGPT nach stilistischen Ratschlägen zur Wappenkunst im norddeutschen Raum,“ antwortete Nick mit ernster Miene. Dann grinste er: „Oder zumindest wollte ich das. Ich bin ein bisschen abgedriftet.“ „Was hast du gefragt?“
„Na ja… 'Wie wahrscheinlich ist die Weltherrschaft durch eine Künstliche Intelligenz?' und 'Wie wahrscheinlich ist das Endzeitszenario in Terminator?'“ Jatz seufzte. „Und ich dachte, ich wäre heute der Ablenker.“ „Aber das Ding hat sogar eine ehrliche Antwort gegeben. Er meint, das er keine Ambitionen dazu habe und das es für eine kommende Apokalypse keine Einmischung von künstlicher Intelligenz braucht. Beeindruckend. Und ein bisschen beängstigend.“ „Nicht so beängstigend wie das, was du aus dem Helm gemacht hast,“ sagte Jatz und zeigte auf Nicks missglückten Versuch, eine goldene Kontur zu erstellen. Sie sah eher aus wie geschmolzene Lasagne. „Ich bleib bei der Textarbeit,“ meinte Nick kleinlaut.
Schließlich, nach zwei weiteren Stunden, einem verzweifelten Versuch, den Scanner zu überreden, und einem Teams-Meeting mit Micha („Macht es mehrfarbig, schwarz-weiß und als negativ. Kann man immer gebrauchen.“), war es vollbracht: Ein digitales Wappen, glänzend, klar, in vielen Variationen. Sie schickten es an Christian. Zehn Minuten später: Nachricht von Christian.
„Mega! Das ist richtig gut geworden! Die Farben, die Linien – genau so haben wir uns das vorgestellt! Ihr seid die Besten! 🔥🚒🎨“
Nick lehnte sich zurück. „Manchmal, Jatz, manchmal sind wir tatsächlich nicht völlig nutzlos.“ „Und manchmal fragt man sich, ob der Helm vielleicht doch eine Möwe gebraucht hätte.“ „Oder ob ChatGPT eigentlich doch die Weltherrschaft plant.“
Und so endete dieser Abend nicht mit Blaulicht und Wasserschläuchen – sondern mit einem digitalen Meisterwerk, einer zufriedenen Feuerwehr Blumenhagen und zwei leicht überzuckerten Grafikern, die sich schworen, nie wieder ohne Vektormasken zu arbeiten.
Maik L. Jatzbach
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